„Sinn-volle Haut“

Die Haut umhüllt den gesamten Körper und bildet somit einen 1,8 m2 großen Schutzmantel (3,5- 10,kg schwer) für diesen, um äußere Einflüsse abzuwehren. So ist die Haut eine wichtige Grenze zwischen unserer Innen- und unserer Außenwelt. Sie ist das wichtigste „Grenzorgan“. Sie spricht ein klares „NEIN“ und schließt ihre Poren vor ungebetenen Gästen wie Krankheitserregern oder schädlichen Substanzen wie Säure oder UV Strahlen. Sie äußert allerdings auch ein klares „Ja“, indem sie ihre Poren öffnet, um den ein oder anderen Schweißtropfen abzugeben oder die pflegende Lotion lechzend in sich aufzunehmen.

Wenn uns innerlich – also emotional – etwas berührt und uns unter die Haut geht – sei es der Anblick einer Spinne oder beim Hören unseres Lieblingssongs oder Klavierkonzerts nehmen wir diese Verbindung zwischen äußerem Reiz und unserer Gefühlsreaktion deutlich wahr, nämlich in Form von Gänsehaut.

Die enge Verbindung von Haut, Psyche und Gefühlsleben so vermutet die Wissenschaft liegt u.a. an der gemeinsamen Entstehungsgeschichte. Die Haut und das Nervensystem entwickeln sich in der embryonalen Phase aus dem gemeinsamem äußeren Keimblatt – dem Ektoderm. Die Wissenschaft forscht hier intensiv auf diesem Gebiet, um die Auslöser zu erkennen und neue Behandlungsmöglichkeiten von Hauterkrankungen zu entwickeln .

Ähnlich wie in der Schule schießt uns bei Stress das Blut in den Kopf, vergleichbar mit der Situation, wenn man aufgerufen wurde und die Hausaufgabe vergessen hatte oder wir werden puterrot im Gesicht, wenn wir uns schämen. Umgekehrt sagen wir im Volksmund „das juckt mich nicht“, wenn uns etwas nicht tangiert. In diesem Fall signalisieren wir kein Interesse an einer Situation und grenzen uns verbal ab.

Die Haut ist sinn – voll- damit meine ich, dass sie übersät ist mit unzähligen Rezeptoren (je nach Region bis zu 200/ cm2)

Daher wird die Haut auch als größtes Sinnesorgan bezeichnet. Diese Rezeptoren leiten Informationen über Wärme, Kälte, Druck, Zug, Vibration, Scherbewegungen und Schmerz aus dem Hautbereich zum Gehirn. Von diesen unzähligen Informationen gelangen nur ein Bruchteil in unser Bewusstsein. Warum? Wir wären überfordert mit dieser immensen Reizüberflutung. Stellen Sie sich vor die Haut am Hosenbund beschwert sich über den Druck vom Knopf, die Haut oberhalb der Fußknöchel beklagt sich über einen zu engen Sockengummi, Arme und Beine melden ständig andere Kontaktflächen, die mit der Kleidung in Berührung sind, das enganliegende Unterhemd meldet, das die Haut schwitzt und feucht wird und der Hals freut sich über das Halstuch, weil es ihn vor Zugluft bewahrt usw. Kommen dann alle visuellen und akustischen Reize noch dazu, ist an konzentriertes Arbeiten nicht mehr zu denken.

Hautnah

Da sie das wertvollste Tastorgan in unserem Körper ist, kommt der Haut in der Osteopathie eine wesentliche Rolle zu. Mit den Fingerspitzen kann der erfahrene Therapeut weit entfernte Spannungen im Gewebe (z.B. vom Fuß bis zu Kopf) ertasten.

Jeder Mensch braucht Berührung.

Im Mutterleib erfährt jedes Baby seine ersten sanften Reize durch die Bewegungen der Mutter und der damit einhergehenden An- und Entspannung der Bauchmuskulatur der Mutter. Das Ungeborene erlebt durch Kontakt verbunden mit Stimme und Bewegung ein Gefühl von Schutz, Zugehörigkeit, Liebe und Nähe. Ist es dann auf der Welt beruhigen sich die meisten Babys durch Streicheln und Körperkontakt. Da sich auf den Lippen, im Mund und den Handinnenflächen besonders viele Rezeptoren befinden, erkunden Babys die Welt in dem sie alles im wahrsten Sinne des Wortes be- greifen wollen mit Hand und Mund.

Von Zeit zu Zeit sehnen wir Erwachsenen uns ebenfalls nach Berührungen. Wir genießen die Zärtlichkeiten von unserem/r Partner/in, beim sanften Haare- waschen beim Friseur, bei der Fußpflege, bei der Kosmetikerin, in der Physiotherapie, im Urlaub bei Wellnessbehandlungen oder wenn wir uns selbst eincremen mit unserer Lieblingscreme.

Die Haut speichert Erinnerungen

Unbewusst entstehen Narben durch Stürze z.B. in der Kindheit oder „Sturm und Drang“- Zeit oder bewusst durch geplante Operationen, z.B. um ein neues Gelenk einzubauen.

Eine Narbe besitzt jeder Mensch, nämlich den Nabel. Gerade das Licht der Welt erblickt, bekommen wir sie ohne unsere Zustimmung verpasst und dennoch dient sie unserer Existenz. Sie ist unsere erste Narbe einhergehend mit dem ersten Abnabelungsprozess zwischen Mutter und Kind, dem weitere Folgen werden.

Mal geht also ein Weg an der Haut vorbei – mal eben nicht. Mal sind die Erinnerungen sehr angenehm wie der erste Kuß oder schmerzhaft. Hautverfärbungen oder Veränderung der Oberfläche sowie auch unsere Lach- oder Altersfalten sind die Spuren unserer Lebensgeschichten.

Nun wünsche ich Ihnen, liebe Leser, dass das meiste in Ihrem Leben glatt läuft. Und wenn es mal holprig auf Ihrem Weg wird und die Denk- oder Sorgenfalten sich immer tiefer in Ihr Gesicht graben, dann können Sie sich entspannende Momente gerne selbst schenken oder schenken lassen mit einem Verwöhn- Gutschein „freier Kopf“ oder „starke Füße“.

Imke Götz
Menschen in Verbindung zu bringenExpertin für Körperkommunikation IMpuls® - Körper - Gestalt - Coach

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