„Kannst Du mir mal eben helfen?“

Wenn wir eine Bitte auf diese Weise stellen, weiß das Gegenüber oft nicht genau, wie er oder sie Ihnen helfen kann. Es ist nicht erkennbar, welche konkrete Handlung Sie erwarten, daher ist es dann auch schwierig, sich auf den Prozess der Handlung einzustellen oder vorzubereiten.

Angenommen die Situation stellt sich folgendermaßen dar: Sie sind gerade dabei, den Dachboden aufzuräumen und möchten ein Regal vom Dachboden über die Bodentreppe eine Etage tiefer befördern. Sie stellen fest, dass das Regal sehr sperrig ist und Sie dabei Hilfe benötigen. Jetzt rufen Sie Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin, der/die gerade aus dem Büro
nach Hause kommen, zu: „Hilf mir mal eben!“. Die gerufene Person kommt und ist bereit zu helfen. Sie merkt, dass sie nicht die passenden Schuhe und/oder die adäquate Kleidung (z. B. freischwingende Krawatte, enger Rock) trägt, um die wacklige Holztreppe hinaufzusteigen. Sie betritt
trotzdem die ersten Stufen, weil sie Ihre Not sieht, denn das Regal droht abzustürzen. Nach einigen – teilweise auch gefährlichen – Balanceakten und Wackelmanövern schaffen Sie es schließlich zusammen, das Regal sicher nach unten zu befördern.

Anschließend schimpft Ihr Partner/Ihre Partnerin: „ Kannst Du nicht warten, bis ich da bin! Ich möchte so etwas in Ruhe erledigen!“ und Sie antworten darauf: „Ach komm, das war doch gar nicht so schlimm, wir haben es ja geschafft und passiert ist auch nichts!“.
Die Folge davon ist, dass derjenige, der Sie unterstützt hat, frustriert ist, weil er vorher zu wenig Informationen und Vorbereitungszeit hatte und er ist enttäuscht, weil er sich Verständnis und Mitgefühl von Ihnen für seine Situation gewünscht hätte.
Eine günstigere Formulierung ist eine sogenannte „Handlungsbitte“: „Komm‘ bitte zur Holztreppe und pack‘ schnell mit an! Geht das?“. Dadurch weiß die unterstützende Person vorab, welche Tätigkeit wo, wann und in welcher Form gewünscht ist und kann sich darauf einstellen. Und durch den Zusatz „Geht das?“ hat sie die Möglichkeit, ihre Bereitschaft kurz zu klären und ggf. ein Veto auszusprechen.

Mag sein, dass Sie jetzt denken, dieser Vorgang dauere zu lang und sei umständlich. Ein paar Worte mehr im Voraus beugen jedoch ewigen Diskussionen und einer dadurch entstehenden schlechten Stimmung im Nachgang vor. Werden nämlich viele solcher Situationen geschluckt, kann das Fass eines Tages überlaufen und es werden wesentlich mehr Worte und Energie notwendig sein, um den dadurch entstandenen „Beziehungsschaden“ zu beheben.

Mit einer klar formulierten Handlungsbitte legen Sie einen Grundstein für mehr Wertschätzung in einer Beziehung und können dadurch Konflikte reduzieren.

Imke Götz
Menschen in Verbindung zu bringenExpertin für Körperkommunikation IMpuls® - Körper - Gestalt - Coach

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