Das Wertvolle liegt dazwischen

Momentan komme ich immer wieder in Kontakt mit dem Wort „Spaltung“ in unterschiedlichen Kontexten (Gesellschaft, Familie, Paarbeziehungen oder auch in uns selbst).

Dies alles beruht auf der Annahme, dass es nur ein „Entweder – oder“ gibt. Das stimmt mich sehr traurig, weil meine Grundhaltung darin besteht, dass beide Seiten etwas Wertvolles in sich tragen. Doch dazu braucht es Energie, Zeit und Bewusstheit.

Ich persönlich möchte mit diesem Blogartikel dazu beitragen sich mit der Denkweise der Gewaltfreien Kommunikation vertraut zu machen und danach frei zu entscheiden, was Sie mit dem Gelesenen tun oder nicht tun möchten.

In manchen Situationen sprudelt oder schießt sogar sehr schnell ein „Ja“ oder ein schnelles „Nein“ aus uns heraus. Das Schnelle ist eben schnell und benötigt keine weitere gedankliche Auseinandersetzung mit dem Gegenteil. Sind wir sehr gestresst ist es verführerisch sich zu einem schnellen „Ja“ oder „Nein“ und damit zu einem unumstößlichen Statement hinreißen zu lassen. Ich möchte niemanden mit dieser Art der Entscheidung verurteilen, weil sie in der ein oder anderen Situation auch sinnvoll ist. Dennoch möchte ich Sie als Leser einladen, einen kurzen Exkurs mit mir mitzugehen.

Manche Menschen glauben, wenn das Thema schnell erledigt ist, ist es auch langfristig erledigt und man kann so zügig zur Tagesordnung übergehen. Oft stellt sich dann heraus, dass der Alltag doch nicht so recht gelingen will. Das liegt daran, dass ein kurzes „hartes“ Ja / Nein sich ungünstig auf berufliche oder private Beziehungen auswirken kann.

Woran liegt das?

Wird der eigene Standpunkt umgehend verteidigt oder wird versucht, sofort das Gegenüber zu überzeugen, dass es mit seiner Denkweise falsch liegt oder als naiv abgestempelt wird, entsteht Druck. Der Druck entsteht, weil einer der Meinung ist, absolut zu wissen, was richtig und was falsch ist. Im Extremfall sind sogar beide von ihrer Sichtweise überzeugt. Dies führt dazu, dass aus zwei Menschen eher Fronten werden und aus einem Miteinander schnell ein Kampf gegeneinander wird.

Hier an dieser Stelle kann jedem von uns die Frage der Bestsellerautorin und Gründerin der Methode „The Work“ Katie Byron weiterhelfen. Eine der vier Fragen lautet: „Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? (in Bezug auf meine Gedanken?) Kann ich das zu hundert Prozent sagen?“

Werden diese Absolutheitsansprüche nicht transparent gemacht, welche Bedürfnisse wir uns damit erfüllen wollen und krampfhaft verteidigt, werden unsere Beziehungen dazwischen zerrieben.

An dieser Stelle möchte ich Sie anregen, sich ebenfalls mit der Frage zu beschäftigen:

Wollen wir als Gesellschaft auch dem „Nichtwissen“ Raum geben?

Ist dieser ständige Gedanke mit dem Drang etwas wissen zu wollen oder zu müssen, an sich wahr? Ich gebe zu mir selbst fällt es auch nicht immer leicht, dem Nichtwissen Raum zu geben und zu warten. Dennoch bemühe ich mich und übe.

Vom Standpunktfesthalter zum Standpunktbetrachter

Nun können wir uns weiter fragen, ob wir in Ruhe und mit einer wohlwollenen neugierigen Haltung uns über unsere Bedürfnisse austauschen wollen. Ein Standpunkt ist fix – und ohne Lebendigkeit. Wenn ein Standpunkt jedoch zu einem Ausgangspunkt mutiert, wird es lebendig und ein spannender Weg kann entstehen. Es kann sich ein Raum öffnen zwischen dem ersten Standpunkt und dem zugehörigen gegenteiligen Standpunkt.

Dieser Raum des „DAZWISCHENS“ birgt wertvolles Potenzial, welches Beziehungen bewahren kann, trotz der Unterschiedlichkeiten.

Schenken wir uns gegenseitig diesen Raum beim Sprechen über das, was uns wichtig ist und auch beim Zuhören ohne das Gehörte zu bewerten, dann können wir die eventuelle Achterbahnfahrt zwischen uns und den Polen genießen.

Und wie können wir den Raum öffnen für den Weg zwischen den Polen?

Das Tor zu dem Raum öffnet sich mit einer Haltung, die auf Empathie beruht und sich gedanklich als auch sprachlich durch ein „Sowohl als auch“ statt „Entweder- oder“ zeigt.  Alles was gesagt wird, wird mit Verständnisohren gehört, was nicht zwangsläufig bedeutet allem zuzustimmen. Denn würde einer der beiden Parteien sein Bedürfnis von Beginn des Konfliktes an fallen lassen, geht etwas Wertvolles verloren, an das der Andere nicht gedacht hat.

Es geht zunächst um die Würdigung dessen, was jeden Einzelnen gerade bewegt. Es wird zunächst stehen gelassen, ohne es zu beschwichtigen, wegzubügeln oder zu bekämpfen. Und so wird sich ausgetauscht und das kann auch mal über ein paar Runden gehen. Und dafür braucht es den „Raum des DAZWISCHENS“,  ohne gleich eine Lösung erreichen zu wollen. Und wenn jeder dazu bereit ist, seine Ansicht nicht als die absolute richtige wahrheitsgetreue zu sehen, erst dann kann sich zu einem späteren Zeitpunkt eine Lösung ergeben. Die Lösung kann zwar ein „JA “oder „Nein“ sein, dennoch wird sie mit einer geringeren und beziehungsverträglichen Ladung gefüllt sein. Dann heißt es nicht, ich bin zu hundert Prozent für oder gegen etwas, sondern ich stimme zu 60 %  für oder gegen etwas oder bei der Lösung xy kann ich noch mitgehen. In meinem nächsten Blogartikel werde ich darauf näher eingehen

Meine Tipps für eine friedvollere Gesprächsführung:

  • Beobachten Sie sich, in welcher Einstellung („Entweder – oder“ oder „Sowohl – als – auch“ ) Sie in Gesprächen sind.
  • Stellen Sie sich die Frage: Kann ich zu 100 % wissen, dass das wahr ist, was ich denke?
  • Nehmen Sie sich Zeit für einen tieferen Austausch bei wichtigen Themen.
  • Legen Sie Ihre Wertvorstellungen oder Bedürfnisse offen dar und versuchen Sie diese auch bei Ihrem Gegenüber herauszuhören.

Wenn Ihnen Letzteres schwer fällt

  • zu hören, was der Andere nicht sagt, vermutlich aber meint und
  • Sie dazu beitragen wollen, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert und sich
  • mehr ein MITEINANDER statt ein Gegeneinander wünschen und
  • verstanden haben, dass es effektiver sein kann, selbst aktiv zu werden, anstatt zu warten bis der Andere sich ändert wenn er das überhaupt tut,

dann kann mein

Grundlagenseminar am  Wochenende 26./ 27. Juni

Konflikte wertschätzend lösen

Ihnen Inspirationen und einen roten Leitfaden an die Hand geben auf Basis der „Gewaltfreien bzw. Wertschätzenden Kommunikation“.

Imke Götz
Menschen in Verbindung zu bringen Expertin für Körperkommunikation IMpuls® - Körper - Gestalt - Coach

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