23.04.2021 Wie Satzzeichen Beziehungen aufatmen lassen

Ein Punkt nach einer Aussage, ein Fragezeichen nach einer Frage, das ist in der Rechtschreibung jedem klar – aber auch beim Sprechen?

Wenn wir in Verbindung mit unserem Gegenüber bleiben wollen, bietet sich die Frage an. Daran erkennt Ihr Gegenüber, dass Sie von ihm etwas wollen. Dies ist der Grund einer Bitte, die Ihr Gegenüber aus dem Anheben Ihrer Stimme heraushören kann.

Ob es sich tatsächlich um eine Bitte (also keine Forderung) handelt und damit um die Möglichkeit frei zu entscheiden, erkennen wir erst, wenn wir die Reaktion auf ein „Nein“ erleben. Wenn Sie ein Nein Ihres Gesprächspartners hören können und weiterverhandeln, haben Sie wirklich eine Bitte geäußert. Damit fühlt sich Ihr Gegenüber wertgeschätzt, weil er mit einbezogen und seine Grenze respektiert wird. Können Sie ein „Nein“ nicht hören und akzeptieren, haben Sie eine Forderung gestellt und Ihrem Gegenüber keine Wahl gelassen. Wenn Menschen nicht selbst bestimmen und auf freiwilliger Basis handeln können, werden Beziehungen erschwert. Darum sind verkörperte Fragezeichen mit der entsprechenden inneren Haltung beziehungsstärkend.

Im Gegensatz zur anhebenden Stimme bei der Frage senkt sich bei einem Punkt am Ende des Satzes die Stimme. Es kann ein Moment der Stille einkehren, ein Moment des Ausruhens und des Ankommens („Punktlandung“)  wie ich neulich einer Patientin erklärte. Sind wir im Stress, so neigen wir oft dazu, schnell zu sprechen, „ohne Punkt und Komma“, wir holen kaum noch Luft, während unsere Arme über der Tastatur im Alltagssturm vor sich herschweben, um schnell dies und das noch zu erledigen. Stress „verschafft“ sich dann – wie im Osteopathie-Blogartikel erklärt – durch verschiedene Symptome wie Nackenbeschwerden, Blockierungen in der Brustwirbelsäule oder Kopfschmerzen „Luft“.

Wenn Sie sich selbst eine Zwischenlandung schenken wollen, dann senken Sie am Ende des Satzes Ihre Stimme. Damit geben Sie dem  vegetativen Nervensystem Ihres Körpers ein Pausensignal, das Zwerchfell kann sich voll entfalten  – und Ihr Gegenüber ist Ihnen sicher ebenfalls sehr dankbar für die kleine Verständnispause.

Ganz anders sieht es beim Ausrufezeichen aus. Wir mobilisieren alle Energien, um mit Nachdruck unser Anliegen klarzustellen. Im Körper entsteht Druck und dieser dringt durch einen deutlichen, manchmal auch explosiven Ton nach außen.  In diesem Moment wollen wir dem Gegenüber klar machen, dass etwas für uns oder auch für den Anderen wichtiges Geschehen soll wie z.B. beim Feueralarm.

Alle Zeichen haben ihren Wert – es liegt an uns damit wertschätzend umzugehen.

Welches ist ihr Lieblingssatzzeichen?

Versuchen Sie doch einmal, die Zeichen auszutauschen

Anstatt „Schatz, bringst du mir den Tee aus der Küche mit!“ einmal „Schatz, magst du mir den Tee aus der Küche mitbringen?“.

Bleiben Sie für alle Antworten offen und kalkulieren Sie ein „Nein“ ein und verhandeln mit einer Haltung, die auf Freiwilligkeit abzielt weiter.

Sie können auch Ihr Gegenüber fragen, warum er Ihnen diese Bitte erfüllt? Dadurch können sich spannende Gespräche entwickeln mit magischen Momenten.

Ich bin schon gespannt auf Ihre Berichte und Erfahrungen!

Falls Sie Lust darauf haben, können Sie in meiner Mini-Medi: ZEICHENSETZUNG das dazugehörige Experiment ausprobieren.

23.04.2021 Das Zwerchfell – ein lebenswichtiger Muskel

Das Zwerchfell ein lebenswichtiger Muskel

Wir benutzen unser Zwerchfell etwa zwanzigtausendmal am Tag, multipliziert mit 365 Tagen ergibt das 7,3 Millionen – und wir denken so selten an diesen lebenserhaltenden Muskel.

Er hat die Form einer horizontal verlaufenden Muskelplatte, die den Brustkorb vom Bauchraum trennt, kleidet die unteren sechs Rippenpaare von innen aus und zählt mit zu den größten Muskeln unseres Körpers. Seine Ausläufer reichen bis zum zweiten und dritten Lendenwirbel auf beiden Seiten.  Die Nerven, die diesen Muskel anspannen lassen, entspringen der Halswirbelsäule. Das Zwerchfell bewegt sich  sechs bis acht Zentimeter auf und ab und bringt es dadurch auf eine tägliche “Laufstrecke“ von 1,4 Meter  und 511 Kilometer pro Jahr!

Gemeinsam mit anderen, im Körper horizontal verlaufenden Muskel-Bindegewebsschichten (z.B. im Beckenboden, Schultergürtel, Kehlkopfbereich und Schädel) kommt dem Zwerchfell aufgrund seiner Bewegung eine besondere anatomische und funktionelle Bedeutung zu. Durch sein sehniges Zentrum verlaufen viele wichtige „Autobahnen“  von oben nach unten (z.B.  Aorta, Nerven, Speiseröhre) und von unten nach oben (z.B. Hauptvene, Lymphbahnen). Gleichzeitig liegen die zwei Lungenflügel und das Herz geschützt in seinem Herzbeutel auf dem elastischen Diaphragma (=  Zwischenwand). Unter ihm hängen wie an einer Wäscheleine die sehr große und schwere Leber, der Magen, der  Darm und die Milz.

Wird normal geatmet, dann werden alle Organe durch das ständige Auf und Ab ausreichend entstaut.

Jetzt stellt sich die Frage, wie oft wir am Tag normal tief ein- und ausatmen. Stress, Alltagshektik und Emotionen blockieren diese  harmonisch-rhythmische Bewegung oft. Die Folge ist ein flacheres Atmen  mit einem „Tiefgang“ von nur drei bis fünf Zentimetern.

Die Auswirkungen können sehr vielfältig sein:

  • Verspannte Nackenmuskeln, die auch als Atemhilfsmuskeln agieren (Kennen Sie das Gefühl des nicht richtigen Durchatmens?),
  • Blockierungen in der Brustwirbelsäule oder stechende Schmerzen vorne am Brustbein beim Atmen –ähnlich wie bei Herzbeschwerden, obwohl das Herz gesund ist,
  • Unbeweglichkeit der Lendenwirbelsäule aufgrund der Komprimierung der Wirbelsäule durch die Ausläufer des Zwerchfells.
  • Verdauungsstörungen mit Gasbildung drücken das dünne Zwerchfell kopfwärts und das kann zu Irritation des Herzens führen. Das wiederum reagiert mit erhöhter Herzfrequenz oder nervösen Herzbeschwerden.
  • Langes Sitzen im  Home Office oder Home Schooling verhindern  ebenso eine freie Bewegung des Atemmuskels, wodurch es zu einem Stau im Bauchraum kommt.
  • Auch die psychischen Belastungen der Pandemiesituation mit all ihren Facetten im  Alltagsleben können zu weiteren Funktionsstörungen des Zwerchfells führen. Schnelles, flaches Atmen ist häufig die Ursache von kribbelnden  Händen, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Diese Beschwerden werden  unter dem Überbegriff „Breathing Patter Disorder“ zusammengefasst.
  • Ängste spüren wir oft als Engegefühl im Brustkorb oder sie sitzen uns sprichwörtlich im Nacken. Manchmal raubt uns jemand die Luft zum Atmen, bei Schreckensnachrichten stockt  der Atem und je nach Kommunikationssituation halten wir die Luft an, bei Projekten brauchen einen langen Atem und im alltäglichen Hamsterrad geraten wir oft ganz außer Atem.

Wie wohltuend ist eine kleine „Verschnaufpause“ und Zeit zum Durchatmen und wir kennen alle das befreiende Gefühl, wenn wir etwas erfolgreich abgeschlossen haben und nun endlich wieder tief durchatmen können. Häufig wird allerdings diese „Verschnaufpause“ durch Zigarettenrauch, überflüssiges Gerede und auch durch die Benutzung des unverzichtbar gewordenen Smartphones zunichte gemacht.  Kaum noch ein Mensch ist in der Lage, einfach nur dazusitzen und zu atmen.

In der Osteopathie können diese Funktionsstörungen erkannt und behandelt werden  mit dem Ziel, die sogenannte strukturelle Integrität im Körper wiederherzustellen. Damit ist gemeint, dass versucht wird, die Zu- und Abflüsse besser passierbar zu machen, eine normale  Lage der  Organe anzustreben, die Rippen und die Wirbelsäule zu mobilisieren und Tipps und Übungen für Zuhause mitzugeben.

Also verschaffen Sie sich Luft!

09.04.2021 Mini-Medi: Berührung

Meine Meditation für Sie: Berühren oder berührt werden?

Sie möchten mehr Mediationen genießen?

Dann melden Sie sich an zu meinem Achtsamkeits – Themenabenden an. Der nächste Themenabend findet am Donnerstag, den 15.04.21 ONLINE statt mit dem Thema: „Umgang mit Gedanken.“

09.04.2021 Wie Sprache berührt

Wie sprechen Sie mit sich?

Nicht nur Hände, sondern auch Worte können uns berühren und durch Gestik und Mimik offenbart sich die enge Verknüpfung zwischen Klang und Körper, zwischen Schallwellen/ Feinstofflichem und festen (Körper) Formen.  

Wie sieht Ihre „Oberfläche“ beim Zuhören aus?

In meinem ersten Newsletter habe ich gefragt, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten.

Was verbindet Ihre Aufmerksamkeit mit Ihrem Trommelfell?

Na – da „treffen“ die Worte Ihres Gegenübers „auf“. Und Ihre innere Stimmung  entscheidet darüber, wie entspannt oder gespannt Ihr Körper – und damit auch Ihr Trommelfell –  ist.

Wie wird Ihr Trommelfell die Schallwellen aufnehmen und weiterleiten an Ihr Gehirn? Wie wird wiederum dieses die ankommenden Geräusche interpretieren? Als harsche Kritik oder einschmeichelnde Umgarnungen?

Manchmal braucht es auch gar keine Ansprache von außen und es spricht dennoch jemand mit uns. Das sind dann die Stimmen unseres „inneren Kritikers“, des „ungeduldigen Antreibers“, des hilflosen Mädchens, des souveränen Businessmannes oder der überforderten  Mutter im Spagat zwischen Kindern und Teilzeitjob. All diese oder ähnliche Stimmenbesitzer wohnen in uns.

Wir können uns zwischendurch immer wieder fragen, wer denn da gerade spricht und worum es  diesem „ inneren Familienmitglied“ geht, welches Bedürfnis ihm am Herzen liegt? Lassen Sie es in Ruhe zu Ende erzählen und laden Sie weitere innere Familienmitglieder gern zum Selbstgespräch ein und vergessen Sie dabei diejenigen nicht, die sonst so still sind. Stille Wasser sind tief und in der Tiefe ist das Wasser klarer und ruhiger als an der Oberfläche. Ihre Beiträge können wundervoll sein, auch wenn sie etwas Zeit brauchen, bis sie an die Oberfläche kommen und gleichwertig versuchen Sie die Bedürfnisse des schnellen Entscheiders ebenso wertzuschätzen.

Führen Sie ruhig ab und zu Selbstgespräche – nicht dauernd und nicht stundenlang, einfach mal so zwischendurch.

Und versuchen Sie es einmal damit, allen „Gesprächspartnern“ wohlwollend zu begegnen. Ja wirklich allen wohlwollend, denn alle wollen nur das Eine: Sie schützen oder Ihnen helfen. Jeder meint es wirklich gut. Und jeder darf gerne reden – oder aber auch gerne einmal schweigen. Das ist die innere Haltung der Gewaltfreien Kommunikation nach M.B. Rosenberg. Mehr dazu in meinen (Online) SEMINAREN.

Zu Freunden sind wir oft viel freundlicher als zu uns selbst- darum mein Tipp sprechen Sie mit sich wie zu einem guten Freund in einer berührenden wohlwollenden Art und Weise nach dem Motto: „Ich bin freundlich zu mir selbst“. ( Diese ist bei mir als Postkarte erhältlich :))

09.04.2021 Osteopathie und Berührung

Die Grundlage der Osteopathie bildet die Berührung.

Doch was können Hände wirklich erspüren und bewirken? Darum soll es in diesem Newsletter gehen.

Als Physiotherapeut hat man außer seinen Händen auch noch verschiedene Geräte, mit denen man den Patienten behandeln kann.

In der Osteopathie wird die gesamte Behandlung nur mit den Händen durchgeführt und sie wird dadurch der Bezeichnung „BeHANDlung“ sehr gerecht.

Was ich alles spüren kann:

Mit meinen Händen kann ich die unterschiedlichen Gewebearten ertasten wie z. B. Knochen, Bänder, Muskeln, Sehnen, Nerven und  Arterien. Jedes Gewebe hat seine eigene Persönlichkeit und es spricht auch eine eigene Sprache.

Wenn es dem Muskel zu viel geworden ist, schmerzt er, wenn die Arterien abgedrückt werden, entstehen stechende, krampfartige Schmerzen und das Gewebe beginnt zu frieren. Wenn jedoch Venen sich unbehaglich fühlen, breiten sie sich aus und dem Körper wird heiß.

In unseren Händen gibt es Sensoren, die alles erfassen, was die Haut uns mitteilen möchte. Diese „Nachrichten“, die zum Gehirn geleitet werden und uns manchmal mehr, manchmal weniger bewusst sind, lauten z. B. Wärme, Kälte, Feuchtigkeit, Vibration, Festigkeit, Elastizität  oder Weichheit, Beweglichkeit oder Starre. Ihnen verdanken wir es, dass wir eine warme Tasse Tee von einem kalten Glas Milch unterscheiden können.

Als Osteopathin habe ich diese Fähigkeit weiter ausgebaut, so wie ein Klavierspieler die Koordination und Beweglichkeit der einzelnen Finger trainiert. Für mich ist das TASTEN mein Kapital, für den Klavierspieler die BEWEGLICHKEIT.

Was ich noch spüren kann, sind Spannungen von Faszien über weitere Distanzen. So kann ich wahrnehmen, welchen Weg die Spannung im Körper nimmt, beispielsweise vom rechten Fuß über das rechte Knie zur Taille und bis zur Niere oder vom Kopf über Hals und Brustbein zum Mageneingang.

Wie habe ich das entwickelt?

Eine sieben Jahre dauernde Osteopathieausbildung, die „Berührung“ vieler Menschen, jahrelange, beständige Übung und ein immerwährendes Lernen aus den vielfältigen Erfahrungen haben mich so weit gebracht.

Entstanden ist dies so:

In meiner Osteopathieausbildung wurden wir darauf trainiert, einen Erfahrungsschatz aufzubauen, denn jeder Mensch fühlt sich anders an und doch gibt es Gemeinsamkeiten. So habe ich z. B. anhand der „BeHANDlung“ von 30 Ausbildungskollegen eine Vorstellung davon bekommen, wie sich eine normale Leber anfühlen sollte und welche tastbaren Veränderungen besser ärztlich abgeklärt werden sollten.

Um besser fühlen zu können und um alle optischen Ablenkungen auszusperren, schließe ich oft die Augen. Während des Tastens sind all meine Sinnesorgane zu hundert Prozent auf Empfang geschaltet. Ich nehme den Atem wahr, lausche den verschiedenen Geräuschen des Körpers und nehme auch immer wieder eine übergeordnete Haltung ein, um die gesamte Situation und die damit verbundene Stimmung zwischen meinem Patienten und mir zu erspüren: Wird er ruhiger und entspannt sich sein Körper?

Die Berührung ist feinsinniger und mit mehr Gefühl verbunden als das reine Anfassen. Mich einzufühlen in die Geschichte des Körpers des Menschen vor mir und seine momentane Befindlichkeitslage ist das Eine und damit sehr behutsam umzugehen – ohne invasiv zu sein.  An anderer Stelle braucht es das direkte und unmittelbare Anfassen, um das Gewebedickicht zu durchdringen und die Zu- und Abflüsse für das darin Liegende zu öffnen. Manchmal sage ich: „ Da räumen wir mal (wieder) auf!“

Die BeHANDlungen/Berührungen bewirken also das alle Körperzellen mit Blut, Nährstoffen und Sauerstoff gut versorgt werden und die „Müllentsorgung“ ebenso gut funktioniert und somit die Giftstoffe ausgeleitet werden können. 

Die meisten von uns entrümpeln von Zeit zu Zeit ihre Wohnungen, den Schreibtisch, den Gartenschuppen oder das Auto. Doch es ist auch wichtig, dass wir unseren Körper und ebenso unseren Geist „ausmisten“.

Und wann machen Sie Ihren Frühjahrsputz im Körper?